Trauercafé
Das Trauercafé hat an jedem 1. und 3. Samstag des Monats in der Zeit von 15:00 – 17:00 Uhr im Altenheim St. Vincenz (58706 Menden, Hauptstr. 13) geöffnet.
An jedem ersten und dritten Samstag eines Monats lädt der Mendener Hospizkreis Menschen ein, in angenehmer Atmosphäre über ihren Abschiedsschmerz zu sprechen – oder auch in Gesellschaft zu schweigen. "Trauer braucht Anerkennung, Verständnis, Zeit, einen Ort und einen Begleiter", sagen die engagierten Hospizkreis-Mitglieder, die noch ein bisschen mehr tun wollen, als Sterbende zu begleiten. Im Trauercafé wollen sie Ansprechpartner für all diejenigen sein, die zurück geblieben sind, die Abschied haben nehmen müssen.
Sonja Dingel, Sr. Maria Virgina, Beate König, Marion Dingel, Gisela Kämmerling, Elisabeth Günther, Riitta Brall (von li nach re). Es fehlt Gabi Haber. (Foto: © 2010 Frank Saul - Westfalenpost)
Das Altenheim St. Vincenz mitten in der Stadt stellt dem Hospizkreis einen geeigneten Raum zur Verfügung. Hier bietet das Trauercafé Gelegenheit, sich bei Kaffee oder Tee in kleiner oder großer Runde auszutauschen. Dabei folgt der Hospizkreis natürlich seiner Prämisse, jedem zu helfen, der sich an ihn wendet – unabhängig von Konfession und Nationalität. Es sind jeweils mehrere Frauen des Hospizkreises zur Stelle und bieten einen Rahmen, in dem Gespräche über Abschied und Schmerz selbstverständlich sind, in dem auch Tränen "erlaubt" sind.
"Viele Menschen reagieren hilflos auf Mitmenschen, die einen lieben Angehörigen oder Freund verloren haben", wissen die Mitglieder des Hospizkreises, "wir wollen Hilfestellung geben. Und wenn die Probleme zu groß sind, können wir auf ausgebildete Trauerbegleiter zurückgreifen, die dort weiter machen können, wo unsere Grenzen erreicht sind."
Der Hospizkreis hat lange überlegt, vielfältig Informationen eingeholt und setzt inzwischen seit dem Jahr 2008 das einfache, aber sehr umfassende Konzept auf die Beine, das nach dem Prinzip arbeitet: Schauen, was gebraucht wird und helfen. Man möchte möglichst wenig vorgeben und ganz einfach "da sein". Die Mitglieder des Hospizkreises wissen, worauf sie sich einlassen, und haben sich entsprechend aus- und fortgebildet. Übrigens: Das Trauercafé im St. Vincenz Altenheim macht es mit den Terminen am Samstagnachmittag ganz bewusst auch Berufstätigen möglich, einfach mal reinzuschauen. Sicher ist: Hier treffen Menschen, die einen Verlust zu beklagen haben, auf offene und verständnisvolle Ohren.
Der Tod eines nahestehenden, eines geliebten Menschen ist ein wahrlich "guter Grund", traurig zu sein. "Doch unsere Gesellschaft kann mit Menschen, die Schwäche zeigen, immer schlechter umgehen. Da sagen die eigenen Kinder, die nächsten Freunde: ,Jetzt kann ich es aber bald nicht mehr hören, wie du jammerst, weinst.' Wir halten das aus. Wir hören zu und sprechen dann, wenn wir gefragt werden, wir erwarten gar nichts. Wir wollen einfach nur da sein!"
An jedem ersten und dritten Samstag im Monat (auch an Feiertagen!) sind – in wechselnder Zusammensetzung – Riitta Brall, Marion Dingel, Sonja Dingel, Elisabeth Günter, Gabi Haber, Gisela Kämmerling, Beate König und Schwester Maria Virgina von 15:00 bis 17:00 Uhr für Menschen da, die mit dem Abschiedsschmerz nicht fertig werden, die Mühe haben, unbeschwert den Alltag zu gestalten, die keine Ziele mehr haben, traurig, wütend, einsam sind.
"Manche trauen sich erst gar nicht hinein, kommen dann aber über einen langen Zeitraum immer wieder. Eine Frau war lange Zeit regelmäßig hier, dann tauchte sie erst nach einem Jahr wieder auf – nur um uns zu sagen, wie sehr wir ihr geholfen haben", freuen sich die Frauen, die bereit sind, sich mit gesundem Menschenverstand und großen Herzen auf jeden Menschen einzulassen, der stets und ständig, irgendwie, immer mal wieder oder auch nur ab und zu oder völlig überraschend furchtbar traurig ist, "nur" weil er jemandem nicht einmal mehr einen Guten Tag wünschen kann…
Man trifft sich am Tisch, kann zuhören, was die Anderen
reden, in Ruhe Vertrauen fassen, schweigen, solange man
möchte und reden, so viel man möchte. Es gibt die
Gelegenheit zu Einzelgesprächen, es gibt die
Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. "Alles
ist möglich", betonen die Frauen, die das Trauercafé
selbstverständlich als geschützten Raum, aus dem
Persönliches und Privates nicht an die Öffentlichkeit
gerät, verstehen. Damit sie selbst nicht in Gefahr
kommen, mit-zu-leiden, reflektieren sie regelmäßig –
auch gemeinsam mit einem Profi. Denn das Trauercafé
soll ja helfen, die Trauer zu wandeln, nicht, sie zu
verlagern.
Text © 2010 mendener-magazin.de -
Karin Drolshagen