Hospizkreis Menden e.V.
Organisieren der Abschiedsfeiern von Verstorbenen ohne bestattungspflichtige Angehörige

Die eigentliche Aufgabe einer Hospizgruppe ist die Sterbebegleitung. Der Bedarf der trauernden Angehörigen, über ihre Trauer sprechen zu wollen, hatte den Hospizkreis Menden dazu bewogen, ein Angebot für Trauernde zu organisieren. Eine dritte Aufgabe hat sich durch ein Erlebnis im Jahre 2003 ergeben.

Wir "Hospizler" mussten miterleben, dass eine Dame, die in einem Altenheim gestorben, ohne Möglichkeit der Anteilnahme und ohne Abschiedsfeier "von der Bildfläche verschwunden" war. Auf Nachfragen wurde uns deutlich gemacht, dass keine bestattungspflichtigen Angehörigen vom Ordnungsamt gefunden werden konnten und sie daraufhin anonym beigesetzt wurde.

Anonym bedeutet, keiner aus dem persönlichen Umfeld des Verstorbenen weiß, wann und wo. Das Ordnungsamt hat in solch einem Fall die Bestattungspflicht zu erfüllen.

Dieser unwürdige Zustand beschäftigte die im Hospizkreis aktiv Mitarbeitenden. Es folgten Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister. Nach Klärung der Rechtslage wurde dem Hospizkreis im Jahre 2005 die Möglichkeit eröffnet, für diese Verstorbenen eine kleine Abschiedsfeier zu gestalten, bevor ihre Urne von dem Bestatter, der sich durch eine vertragliche Vereinbarung mit der Stadt dazu verpflichtet hat, anonym beigesetzt wird.

Diese Art der Bestattung haben sich die Betroffenen nicht selbst gewünscht, aus Kostengründen wird jedoch so verfahren.

Die Stadt Menden stellt uns die Trauerhalle des Limbergfriedhofs für die Abschiedsfeiern kostenlos zur Verfügung. Hauptamtliche der katholischen wie der evangelischen Kirche führen im monatlichen Wechsel durch den geistlich-spirituellen Teil der Trauerfeier, die an jedem zweiten Donnerstag im Monat um 11 Uhr stattfindet. Ein ehrenamtlich tätiger Organist oder getragene Musik vom CD-Player runden die würdige Feier ab. Zum Schluss der Gedenkfeier halten die Organisatoren Teelichter bereit, damit jeder Besucher persönlich von dem Verstorbenen Abschied nehmen kann.

Obwohl dieser Dienst keine typische Aufgabe einer ambulanten Hospizgruppe ist, haben unsere Erfahrungen gezeigt, dass die Entscheidung für diese Aufgabe richtig war.

Seit 2005 bis Ende 2019 wurden insgesamt 220 Menschen vom Hospizkreis verabschiedet, im Schnitt 13 bis 14 im Jahr, im letzten Jahr sogar 18, zwischen 40 und über 90 Jahre alt, darunter mehr alleinstehende Männer als Frauen. Es sind Menschen, die keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie hatten, geschieden sind, allein gelebt haben, manchmal auch Obdachlose.

Überrascht waren wir darüber, dass wir als Hospizkreis mit dem Bestatter nicht allein vor der Urne standen, wovon wir ursprünglich ausgegangen waren, sondern dass einzelne Angehörige oder Nachbarn von der Feier erfahren hatten und daran teilnahmen. Deshalb baten wir zwei Tageszeitungen, eine Todesanzeige (siehe unten stehendes Muster), in der auf den Termin der Abschiedsfeier hingewiesen wird, kostenlos veröffentlichen zu dürfen. Westfalenpost und Mendener Zeitung, wovon letztere leider nicht mehr besteht, gestatteten uns dieses.

Muster
Muster-Todesanzeige des Hospizkreises

Das Ergebnis ist sehr positiv. Die Trauerhalle des Limbergfriedhofs füllt sich fast jedes Mal mit einer kleinen "Trauergemeinde". Freunde, Nachbarn, ja sogar zu Lebzeiten mit dem Verstorbenen nicht mehr in Kontakt gewesene Verwandte nehmen die Möglichkeit des Abschiednehmens wahr. Die meist einsam gestorbenen Menschen werden so ein wenig aus ihrer Anonymität geholt. Und den Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld wird Gelegenheit gegeben, Abschied zu nehmen.

Für den Hospizkreis ist das Organisieren der kleinen Gedenkfeiern Trauerarbeit einer besonderen Art, ein ausgefallener Dienst. Durch die würdigen Feiern wird manchmal selbst den nächsten Angehörigen in ihrer bitteren Situation ein wenig von einem vielleicht versöhnenden Abschied geschenkt.


Altartisch mit Urne bei der Trauerfeier in der Trauerhalle auf dem Limbergfriedhof in Menden

 


 

Abschied von Verstorbenen ohne bestattungspflichtige Angehörige

Von Wilderich von Boeselager

Vor längerer Zeit mussten wir miterleben, dass eine Dame, die in einem Altenheim gestorben war, ohne jede Möglichkeit der Anteilnahme anonym beigesetzt wurde. Nach dieser Erfahrung haben wir uns vorgenommen, diesen uns sehr unwürdig erscheinenden Zustand zu beenden.

Es folgten im Herbst 2003 Gespräche mit unserem Bürgermeister. Nach der Klärung der Rechtslage wurde uns dann die Möglichkeit eröffnet, für diese Personen im Bestattungshaus der Familie Kämmerling in Lendringsen vor der anonymen Bestattung eine kleine Abschiedsfeier am Sarg oder mit der Urne zu gestalten. Dieser Dienst, der in unserer Stadt von 60.000 Einwohnern etwa 6 – 8 mal im Jahr zu erwarten ist, gehört wohl wirklich nicht zu den „normalen“ Aufgaben einer ambulanten Hospizgruppe.

Die Erfahrungen des ersten Jahres zeigten uns aber ganz deutlich, dass unsere Entscheidung für diese Aufgabe unbedingt richtig und sehr segensreich ist. Die Vorbereitung und Gestaltung der kleinen Feier wird durch den Bestatter – als freiwilliger, völlig unentgeltlicher Zusatzdienst zu seinen vertraglichen Vereinbarungen mit der Stadt – bestens unterstützt. Auch war der örtliche und konfessionell jeweils zuständige Geistliche jedes Mal ganz unkompliziert bereit, die kleine Feier zu begleiten. Sogar ein Organist ließ sich finden, der sich unserem ehrenamtlichen Einsatz gern angeschlossen hat.

Was hat uns besonders überrascht? Wir waren davon ausgegangen, dass eine kleine Gruppe aus unseren Reihen ganz allein mit dem Bestatter am Sarg stehen würde. Tatsächlich stellte sich aber heraus, dass jedes Mal einzelne Angehörige oder Nachbarn irgendwie von der Feier erfahren hatten und daran teilnahmen. Deshalb baten wir die beiden Lokalzeitungen um das Entgegenkommen, ohne Kosten eine kleine Todesanzeige mit dem Hinweis auf den Termin veröffentlichen zu dürfen. Mendener Zeitung und Westfalenpost haben uns dies spontan zugesagt.

Und was ist das Ergebnis? Jetzt füllt sich der schöne Verabschiedungsraum des Bestattungshauses jedes Mal mit einer richtigen kleinen „Gemeinde“! So holen wir nicht nur die zumeist sehr einsam gestorbenen Menschen ein wenig aus ihrer Anonymität, sondern wir geben auch Personen aus ihrem Umfeld – denn jeder hat doch ein persönliches Umfeld! – Gelegenheit zu Abschied und Gebet.

Nach unseren bisherigen Erfahrungen kommen die Verstorbenen, die anonym durch das Ordnungsamt zu bestatten sind, sehr oft aus zerrütteten Familienverhältnissen. Durch die Teilnahme an einer würdigen, wenn auch kleinen Gedenkfeier, wird manchmal selbst den nächsten Angehörigen in dieser bitteren Situation ein wenig von einem vielleicht versöhnenden Abschied geschenkt.

 


 

Mittellose Verstorbene sollen nicht namenlos bleiben

Seit 2005 gestaltet der Hospizkreis Menden zusammen mit einem zuständigen Geistlichen Abschiedsfeiern für Verstorbene ohne bestattungspflichtige Angehörige. Diese für einen ambulanten Hospizkreis nicht übliche Aufgabe war das Ergebnis einer unbefriedigenden Erfahrung: Eine Altenheimbewohnerin verstarb und keiner konnte sagen, wo ihr Leichnam geblieben war. Ein Bestattungsunternehmen hatte ihn abgeholt. Wie später zu erfahren war, wurde ihre Urne im Auftrag des Ordnungsamtes anonym beigesetzt ohne Möglichkeit der Verabschiedung.


Das Grabfeld für anonyme Bestattungen auf dem Waldfriedhof Am Limberg.
An dieser Stelle können Blumen, Kränze und Gedenkfiguren hinterlassen werden.

Diesen unwürdigen Zustand wollte der Hospizkreis beenden. Dass seine Entscheidung richtig war, zeigt die Tatsache, dass immer öfter Verwandte, Bekannte und Freunde diese Möglichkeit des Abschiednehmens gerne annehmen. Da diese Verstorbenen sich nicht für eine anonyme Urnenbestattung entschieden hatten, sondern eine solche als für die Kommune kostengünstigste Möglichkeit in Erwägung gezogen wird, ist es für den Hospizkreis ein Anliegen, diese Toten nicht in der Anonymität verschwinden zu lassen.

Auch ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass Verwandte eines Verstorbenen gerne wissen wollten, wo sich die Urne befindet, um einen Ort für ihre Trauer zu haben. Deshalb brachten am 12. Oktober 2011 aktive Mitglieder des Hospizkreises im Beisein des damaligen Bürgermeisters Volker Fleige am anonymen Urnenfeld auf dem Waldfriedhof Am Limberg eine Tafel an. Darauf steht der tröstliche Spruch nach Jesaja 43,1:

Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen.

 



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